Unternehmensnachfolge in Elbe-Elster: Zwischen Chance und Herausforderung
In den kommenden Jahren wird in Deutschland eine große Übergabewelle erwartet: Laut KfW-Nachfolgemonitor planen bis Ende 2025 rund 215.000 Inhaberinnen und Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen, sich aus Altersgründen kurzfristig aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen. Das entspricht etwa sechs Prozent aller KMU. Auch im Landkreis Elbe-Elster ist das Thema hochaktuell – Manuela Lehner von der Industrie- und Handelskammer Cottbus sind 2.674 Unternehmen hier derzeit auf der Suche nach einer geeigneten Nachfolge.
Die Gründe sind vielfältig: Der demografische Wandel, fehlende familiäre Nachfolger oder der Wunsch nach einem neuen Lebensabschnitt. Für Gründerinnen und Gründer, Rückkehrerinnen und Rückkehrer sowie Menschen mit Unternehmergeist bietet sich damit eine seltene Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen und auf ein bestehendes Fundament aufzubauen.
Was Unternehmensnachfolge bedeutet
Unternehmensnachfolge heißt, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen und fortzuführen – sei es innerhalb der Familie, durch Mitarbeitende oder durch externe Käuferinnen und Käufer. Der Vorteil: Man steigt in einen funktionierenden Betrieb ein, profitiert von einem etablierten Kundenstamm, erfahrenen Mitarbeitenden und vorhandener Ausstattung. Gleichzeitig gilt es, das Lebenswerk des bisherigen Inhabers oder der bisherigen Inhaberin zu bewahren und behutsam weiterzuentwickeln.
Doch die Übernahme ist kein spontaner Schritt. Fachleute wie Manuela Lehner von der Industrie- und Handelskammer Cottbus (Regionalcenter Elbe-Elster) geben den Rat, mindestens fünf bis sieben Jahre vor der geplanten Übergabe mit den Vorbereitungen zu beginnen. Ein hilfreicher Leitfaden ist der Nachfolgefahrplan, der die wichtigsten Schritte, von der Bewertung über die Suche bis hin zur Vertragsgestaltung, aufzeigt. Typische Stolpersteine, die es zu vermeiden gilt, sind zu späte Planung, unrealistische Preisvorstellungen oder nicht abgestimmte Erwartungen.
Unterstützung in der Region
Wer Unterstützung sucht, findet in Elbe-Elster ein starkes Netzwerk:
- Industrie- und Handelskammer Cottbus – Regionalcenter Elbe-Elster
Persönliche Beratung, Netzwerke, Webinare, Expertensprechtage und Nachfolgefrühstücke. Außerdem Unterstützung bei der Bewertung von Unternehmen und Vermittlung zu weiteren Partnern. - Handwerkskammer Cottbus
Speziell für Handwerksbetriebe bietet die Handwerkskammer kostenfreie Unternehmens-, Immobilien- und Maschinenbewertungen an. Sie begleitet den gesamten Prozess – von der ersten Orientierung über die Suche bis hin zur Finanzierung und Notfallplanung. - Wirtschaftsförderung des Landkreises Elbe-Elster
Die Wirtschaftsförderung des Landkreises unterstützt Unternehmen bei Fragen der Unternehmensentwicklung und Nachfolge. Sie vermittelt Kontakte, hilft bei der Finanzierung und ist ein zentraler Ansprechpartner für regionale Betriebe, die einen Nachfolger suchen oder übernehmen wollen. - Nachfolgezentrale Brandenburg
Eine Plattform für Unternehmensnachfolgen in Brandenburg, betrieben in Kooperation mit IHKs, HWKs und der Bürgschaftsbank Brandenburg. Der Prozess ist komplett anonym: Erst wenn beide Seiten im Matching-Prozess übereinstimmen und zustimmen, werden Kontaktdaten und Details freigegeben. Das schützt sowohl die Privatsphäre als auch sensible Unternehmensinformationen. Interessierte können sich selbst registrieren oder dies über Partnerinstitutionen erledigen lassen. Der Matching-Algorithmus sucht gezielt nach passenden Profilen – ab 30 Übereinstimmungspunkten wird eine mögliche Verbindung geprüft. - nexxt-change
Ebenfalls eine anonyme Plattform, jedoch bundesweit ausgerichtet. Sie ermöglicht es, passende Nachfolgerinnen und Nachfolger in ganz Deutschland zu finden. Auch hier werden Kontaktdaten erst dann ausgetauscht, wenn beide Seiten im Prozess zustimmen. Damit eignet sich nexxt-change vor allem für Unternehmerinnen und Unternehmer, die den Interessentenkreis über die Region hinaus erweitern möchten.
Julia Ariëns – Vom Großstadtleben zurück ins Familienunternehmen
Wie vielseitig der Weg in eine Unternehmensnachfolge sein kann, zeigt das Beispiel von Julia Ariëns aus Schlieben. Nach Stationen in Frankfurt/Main, Berlin und London entschied sie sich, in ihre Heimat zurückzukehren – nicht zuletzt, weil ihr Vater den Wunsch hatte, den Familienbetrieb in neue Hände zu übergeben.
Obwohl sie aus der Immobilienwirtschaft kommt und branchenfremd war, fand sie im Team schnell ihren Platz. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Vater die LCS Computer Service GmbH, ein Unternehmen mit 39 Mitarbeitenden und einem weiteren Standort in Potsdam. LCS bietet ein breites Spektrum an IT-Dienstleistungen – von der Softwareentwicklung über Projektmanagement bis hin zu Systemtechnik – und zählt viele öffentliche Verwaltungen zu seinen Kunden.
Ihr Rat an Rückkehrerinnen, Zuzügler und Nachfolgeinteressierte: „Offen sein für Möglichkeiten, den Mut haben, Neues zu wagen und auf das Bauchgefühl hören.“
In unserem Podcast berichtet Julia ausführlich über ihren Weg zurück, die Hürden im Nachfolgeprozess und darüber, wie wichtig Vertrauen und Wertschätzung im Team sind.
Maria Winter – Familiennachfolge mit frischen Ideen und Ausdauer
Auch Maria Winter aus Uebigau hat den Schritt gewagt. Nach einer Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und beruflichen Stationen in Augsburg und Bad Driburg kehrte sie 2012 zurück in ihre Heimat. Parallel zu ihrer Arbeit wuchs der Gedanke, das Eiscafé ihrer Eltern zu übernehmen. Schritt für Schritt übernahm sie mehr Verantwortung, unterstützt von Familie, Agentur für Arbeit, Lotsendienst, Steuerberatung und Rechtsanwalt.
Heute leitet sie das Eisafé Winter in Falkenberg, hat es modernisiert und saniert. Im Winter, wenn das Geschäft ruht, plant sie die nächste Saison und entwickelt neue Sorten – darunter kreative Kombinationen wie Gurke mit Basilikum.
„Es gibt viele Stolpersteine, vor allem organisatorisch“, sagt Maria. „Aber Hürden sind auch Chancen.“ Ihr wichtigster Tipp: „Einfach machen und nicht zu lange grübeln.“
Die Nachfolgelücke – eine wachsende Herausforderung
Der KfW-Nachfolgemonitor macht deutlich, dass sich die sogenannte Nachfolgelücke verschärfen wird. Zwar wünscht sich rund die Hälfte der Altinhaberinnen und Altinhaber eine familieninterne Übergabe, doch oft fehlt der passende Nachfolger. Etwa ein Drittel denkt an eine Übernahme durch Mitarbeitende, nur elf Prozent ziehen Miteigentümer in Betracht.
Problematisch ist, dass viele Gründerinnen und Gründer die Chance einer Unternehmensübernahme gar nicht erst in Erwägung ziehen. Dabei kann genau das ein idealer Weg in die Selbstständigkeit sein – mit weniger Risiko und einem sofort verfügbaren Kundenstamm.
Fazit
Unternehmensnachfolge ist kein reiner Verwaltungsakt, sondern ein entscheidender Moment für die Zukunft eines Unternehmens – und für die wirtschaftliche Stärke unserer Region. Wer frühzeitig plant, offen kommuniziert und die vielfältigen Beratungsangebote nutzt, hat beste Chancen auf eine erfolgreiche Übergabe.
Ob Sie ein Unternehmen übergeben oder übernehmen wollen: In Elbe-Elster finden Sie die richtigen Partner, um diesen Schritt gut vorzubereiten.
Wir danken den vielen Expertinnen und Experten, mit denen wir in zahlreichen Gesprächen einen tiefen Einblick in das Thema gewinnen konnten – von der IHK und HWK bis hin zur Wirtschaftsförderung und den engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern, die mit uns ihre Erfahrungen geteilt haben.
Als Netzwerkpartner der Plattform „Nachfolgezentrale Brandenburg“ stehen wir zudem gern für erste Unterstützung zur Verfügung.
Weiterführende Links und Ansprechpartner
- Wirtschaftsförderung Landkreis Elbe-Elster: www.wirtschaft-ee.de/unternehmensnachfolge
- IHK Cottbus – Regionalcenter Elbe-Elster: www.ihk.cottbus.de/Regioalcenter-Elbe-Elster
- HWK Cottbus: www.hwk-cottbus.de/Nachfolge
- Nachfolgezentrale Brandenburg: www.nachfolge-in-brandenburg.de
- nexxt-change: www.nexxt-change.org
- Nachfolgefahrplan: www.nachfolgefahrplan.org
Quellen:
Download Nachfolge Monitoring Mittelstand 2024
https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_833856.html
Download DIHK Report zur Unternehmensnachfolge 2025








